Bevor Sie wissen, ob ein Laufrad zu retten ist, müssen Sie genau wissen, woran es krankt. Hinter dem Wort »Schlag« verbergen sich drei verschiedene Fehler, und sie werden nicht auf dieselbe Weise behoben.
Seitenschlag, Höhenschlag, Zentrierung: drei verschiedene Dinge
Diese drei Einstellungen hängen zusammen: Korrigiert man eine, gerät oft eine andere aus dem Lot. Deshalb erzeugt improvisiertes Zentrieren häufig einen Höhenschlag, wo vorher keiner war. Speichen lassen sich nicht unabhängig voneinander einstellen — jede zieht an der Felge und verändert das Gleichgewicht aller Nachbarn.
Immer mit demontiertem Reifen prüfen
Diese drei Fehler liest man an der Felge ab, nie am Reifen. Ein Reifen, dessen Wulst nicht gleichmäßig im Felgenbett sitzt, eiert bei jeder Umdrehung, obwohl die Felge schnurgerade ist: Sie würden einen Fehler korrigieren, den es gar nicht gibt. Umgekehrt zieht dickes Gummi den Blick auf sich und verdeckt einen echten Schlag von zwei bis drei Millimetern.
Nehmen Sie also Reifen und Schlauch ab, bevor Sie urteilen, und nehmen Sie die Felgenflanke als Bezug — nicht die Reifenoberseite. Ein Bremsbelag, ein Ausfallende oder einfach ein an den Rahmen gehaltener Schraubendreher genügt als Messuhr.
Was eine Justierung retten kann
Ein mäßiger Fehler an einer noch gesunden Felge lässt sich sehr gut beheben. In der Praxis handelt es sich um eine Spannungsstörung: Eine oder mehrere Speichen haben sich über die Kilometer gelockert, und die Felge ist zur Gegenseite gewandert. Die Spannung wird schrittweise wiederhergestellt, in kleinen Schritten, wobei Seitenschlag, Höhenschlag und Zentrierung gemeinsam geprüft werden.
Zwei Bedingungen müssen erfüllt sein. Erstens muss die Felge ihre Form behalten haben: Korrigiert wird die Geometrie des Laufrads, nicht die des Aluminiumprofils. Zweitens müssen die Speichen noch Spielraum haben: Sind einige bereits maximal gespannt und andere fast lose, gibt es nichts mehr umzuverteilen.
Der Zwei-Finger-Test
Drücken Sie die Speichen paarweise rundum zusammen. Sie müssen nicht alle gleich klingen — die Kassettenseite ist normalerweise straffer — doch innerhalb einer Seite deutet eine deutlich lockerere Speiche auf ein Ungleichgewicht hin. Sind sie alle zusammen locker, muss das Laufrad einfach nachgespannt werden. Ist nur eine deutlich locker, während die anderen hart wie Draht sind, ist der Spielraum bereits gering.
Fünf Anzeichen, dass Justieren nicht genügt
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Die Felge zeigt die Spur eines Schlags
Eine flache Stelle, eine Delle, eine mit bloßem Auge sichtbare Beule im Profil. Die Speichen um eine Materialverformung herum nachzuspannen verschiebt das Problem nur: Man erhält ein rund laufendes Laufrad um den Preis völlig ungleicher Spannungen — also ein Laufrad, das anderswo bricht.
→ Felge ersetzen.
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Die Speichen sind am Anschlag
Auf der einen Seite lässt sich nichts mehr anziehen, auf der anderen nichts mehr lösen. Der Einstellbereich ist erschöpft. Erzwingt man es, arbeitet alles dauerhaft auf Ermüdung: Danach geben Nippel, Speichenköpfe oder Felgenbohrungen nach.
→ Kompletter Neuaufbau nötig.
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Beginnende Risse rund um die Speichenlöcher
Betrachten Sie die Speichenlöcher genau, innen wie außen. Feine sternförmige Risse um eine Öse kündigen einen Bruch an. Eine rissige Felge lässt sich nicht richten, wie gering ihr Schlag auch scheint.
→ Felge am Lebensende.
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Die Bremsflanke ist verschlissen
Bei Felgenbremsen verschleißen die Flanken mit den Belägen. Viele Modelle tragen eine Verschleißanzeige — eine Rille oder eine kleine Mulde — die verschwindet, wenn die Grenze erreicht ist. Fahren Sie mit dem Finger den ganzen Umfang ab: Ist die Flanke konkav geworden, ist die Wand zu dünn.
→ Felge ersetzen, unabhängig vom Schlag.
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Mehrere Speichen sind an derselben Stelle gebrochen
Eine Speiche, die zufällig bricht, kommt vor. Zwei oder drei, die nacheinander in derselben Zone brechen, sind Ermüdung: Die anderen aus derselben Charge haben dieselbe Geschichte hinter sich und folgen. Immer nur eine Speiche zu ersetzen verlängert nur ein Problem, das nicht verschwindet.
→ Neuer Speichensatz.
Die Rechnung, die niemand aufmacht
Zentrieren beim Händler kostet einige Dutzend Euro. Das ist wenig — außer wenn man es alle zwei Monate wiederholen lässt, weil die Ursache nie behoben wurde. Drei Werkstattbesuche, dazu zwei ersetzte Speichen, und die Rechnung erreicht die eines kompletten Neuaufbaus, der dafür jahrelang hält.
Umgekehrt wirft man beim Tausch des ganzen Laufrads ausgerechnet das wertvollste Teil weg, das in neun von zehn Fällen völlig in Ordnung ist: die Nabe. Ihre Lager, ihr Freilaufkörper, ihre Achse funktionieren noch. Genau das ist die Logik der Aufarbeitung: die Nabe behalten, alles ringsum ersetzen.
Wie wir hier vorgehen
Wir richten keine Felge, die am Ende ist. Kommt ein Laufrad zur Aufarbeitung, sind Felge, Speichen und Nippel neu. Die Nabe ist die des Kunden. Das Laufrad wird dann auf unseren Linien eingespeicht und auf Spannung gebracht, mit von Hand eingestelltem Seitenschlag, Höhenschlag und Zentrierung.
Der Schritt, den niemand je sieht: das Setzen
Ein frisch eingespeichtes Laufrad ist noch nicht stabil. Seine Speichen sitzen noch nicht vollständig: Der Kopf liegt noch nicht am Flansch an, der Bogen hat seine endgültige Form noch nicht, die Nippel haben sich noch nicht im Felgenbett gesetzt. So versandt, würden diese Bewegungen während Ihrer ersten Kilometer von selbst geschehen — und das Laufrad würde sich lockern. Das steckt hinter den meisten neuen Laufrädern, die nach einer Woche »knacken« oder unrund laufen.
Jedes Laufrad durchläuft daher das Setzen: Es dreht sich unter Rollen, die es belasten, im Zeitraffer, wie es die Straße täte. Im Fachjargon sagt man, man »bricht das Laufrad ein« — bildlich gesprochen, und es geht natürlich nicht darum, es zu beschädigen, sondern ihm auf einmal zuzumuten, was es auf seinen ersten hundert Kilometern erführe.
Diese Belastung bringt zwangsläufig durcheinander, was gerade eingestellt wurde. Auf das Setzen folgt daher ein zweiter Zentriergang, an denselben drei Parametern. Das korrekt ausgeführte Setzen entscheidet über die Zuverlässigkeit: Ein gesetztes und danach nachzentriertes Laufrad behält seine Einstellung, ein in einem Zug aufgebautes nicht.
Ein Hinweis, der unnötige Sendungen erspart: Wir arbeiten an Aluminiumlaufrädern mit gebogenen Speichen (J-Bend). Und wir nehmen nur die Nabe entgegen, ausgebaut: Ein komplettes oder teilweise zerlegtes Laufrad zieht eine zusätzlich berechnete Demontage nach sich.
Zum Merken
- Ein mäßiger Fehler an einer gesunden Felge lässt sich gut beheben.
- Eine verbeulte, rissige oder verschlissene Felge lässt sich nicht richten: Sie wird ersetzt.
- Speichen am Anschlag bedeuten: neu aufbauen, nicht nachjustieren.
- In jedem Fall lässt sich die Nabe fast immer behalten.
Ist Ihre Felge am Ende?
Schicken Sie uns nur die Nabe. Wir bauen ein neues Laufrad darum, eingestellt auf Seitenschlag, Höhenschlag und Zentrierung, und es geht binnen 48 bis 72 Stunden zurück — Rückversand inbegriffen.